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Was macht Martin Richenhagen heute? Vom Mülheimer Lehrer zum Pferdesport-Präsidenten

Vom Religionslehrer aus der Bruder-Klaus-Siedlung zum Weltkonzern-Chef und Präsidenten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung

Von Silke Kraus | 7. Juli 2026
Was macht Martin Richenhagen heute? Vom Mülheimer Lehrer zum Pferdesport-Präsidenten © Foto: Robert Scoble / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)
Martin Richenhagen, langjähriger AGCO-Chef und seit 2024 Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung

Vom Französischlehrer am Hölderlin-Gymnasium zum Vorstandschef eines milliardenschweren US-Konzerns: Die Laufbahn von Martin Richenhagen klingt wie ein Drehbuch, und sie beginnt mitten in Köln-Mülheim.1

Was viele in Mülheim nicht wissen: Einer der bekanntesten deutschen Topmanager der letzten zwei Jahrzehnte ist im Arbeiterviertel rund um die Bruder-Klaus-Siedlung groß geworden.

Wir haben nachgeschaut, was aus dem Mülheimer Jungen geworden ist, der erst unterrichtete, dann Konzerne lenkte und heute den deutschen Pferdesport anführt.

Was dich erwartet

Von der Bruder-Klaus-Siedlung in den Vorstand

Martin Richenhagen kam am 1. Juli 1952 in Köln zur Welt. Aufgewachsen ist er in einer katholischen Familie mit vier Geschwistern in der Bruder-Klaus-Siedlung, einem Arbeiterviertel im Stadtteil Köln-Mülheim. Sein Vater war Volksschullehrer.1

Seine Schulzeit verbrachte er im Viertel. Richenhagen besuchte das Hölderlin-Gymnasium in Köln-Mülheim, bevor er sich nach dem Abitur auf den Weg nach Bonn machte.1

An der Universität Bonn studierte er Theologie, Philosophie und Romanistik. Der erste Berufswunsch lag damit nahe am Elternhaus: Richenhagen wurde Lehrer für katholische Religion und Französisch und unterrichtete als Studienrat am Gymnasium der Stadt Frechen.1

Doch beim Unterrichten blieb es nicht. Anfang der 1980er-Jahre wechselte er in die Wirtschaft, ein für einen verbeamteten Lehrer ungewöhnlicher Schritt.1

Seine Stationen lesen sich wie eine Karriereleiter quer durch die europäische Industrie. Er arbeitete beim Stahlhersteller Hille & Müller, danach als Senior Executive Vice President bei Schindler Deutschland und ab 1998 als Geschäftsführer beim Landmaschinenhersteller Claas.1

Bei Claas kam er erstmals mit der Welt der Traktoren und Mähdrescher in Berührung, einer Branche, die seine zweite Lebenshälfte prägen sollte.

2004 folgte der ganz große Sprung. Richenhagen wurde Vorstandsvorsitzender (CEO) des US-Landmaschinenkonzerns AGCO mit Sitz in Duluth im US-Bundesstaat Georgia, einem der weltweit führenden Hersteller von Agrartechnik mit Marken wie Fendt und Massey Ferguson.2

16 Jahre lang führte er den Konzern und machte sich einen Namen als einer der einflussreichsten deutschstämmigen Manager in den USA. 2011 nahm er zusätzlich die US-Staatsbürgerschaft an.1

Für seine Verdienste wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem französischen Orden der Ehrenlegion und 2017 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.1

Was Martin Richenhagen heute macht (Stand 2026)

Zum Jahresende 2020 zog sich Richenhagen aus der operativen Führung von AGCO zurück. Nach 16 Jahren an der Spitze übergab er den Chefposten an seinen Nachfolger Eric Hansotia.3

Ruhestand im klassischen Sinn war das aber nicht. Richenhagen wechselte in zahlreiche Aufsichts- und Beiratsfunktionen. Er sitzt im Board des Industriekonzerns Linde, im Aufsichtsrat von Daimler Truck und im Beirat der Stihl Holding.1

Seine wohl überraschendste neue Rolle hat allerdings mit Pferden zu tun. Am 26. November 2024 wählte eine außerordentliche Mitgliederversammlung in Warendorf Richenhagen zum neuen Präsidenten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), dem Dachverband des deutschen Pferdesports.4

Das Ergebnis war eindeutig: 177 von 188 Delegierten stimmten für ihn, ein Votum von rund 96 Prozent.4

Das passt zu seiner Biografie besser, als es zunächst klingt. Richenhagen ist ausgebildeter Reiter, war als Dressurreiter bis zur schweren Klasse erfolgreich und arbeitete jahrelang als internationaler Dressurrichter, zuletzt sogar bei Olympischen Spielen.4

Im ersten Amtsjahr brachte er seine Managererfahrung sichtbar ein. Trotz des Wegfalls eines Hauptsponsors drehte der Verband ein Minus von rund einer Million Euro im Jahr 2023 in einen Überschuss von über 140.000 Euro im Jahr 2024.5

Für 2026 hat Richenhagen angekündigt, sich aus seinen letzten operativen Wirtschaftsmandaten zurückzuziehen, um sich ganz auf das Präsidentenamt zu konzentrieren.5

Seinen Lebensmittelpunkt hat der heute 73-Jährige weiterhin in Duluth im US-Bundesstaat Georgia, pendelt für sein Ehrenamt aber regelmäßig nach Deutschland.1

Der Köln-Mülheim-Bezug

So weit ihn seine Karriere auch geführt hat, die Wurzeln von Martin Richenhagen liegen in Köln-Mülheim. In der Bruder-Klaus-Siedlung wuchs er auf, hier verbrachte er seine Kindheit und Jugend.1

Auch seine Schulbank stand im Viertel. Das Hölderlin-Gymnasium, an dem er sein Abitur machte, prägt bis heute das Bildungsleben des Stadtteils.1

Damit reiht er sich in eine Reihe bekannter Mülheimer ein, die hier ihre Anfänge hatten. Wer durch das rechtsrheinische Veedel läuft, bewegt sich auf den Spuren von Menschen, die es von hier aus weit gebracht haben.

Wie sich der Stadtteil und seine Nachbarn heute entwickeln, zeigt unsere Übersicht zu den Stadtteilen von Köln-Mülheim.

Und wer mehr über die Vergangenheit des Viertels erfahren will, in dem Richenhagen groß wurde, findet die Hintergründe in unserer Geschichte von Köln-Mülheim.

Ausblick

Langsamer treten will Martin Richenhagen offenbar nicht. Mit dem FN-Präsidentenamt hat er sich mit Anfang siebzig eine Aufgabe gesucht, die ihn fordert und die seine zwei Leidenschaften verbindet: das Managen großer Organisationen und den Pferdesport.5

In den kommenden Jahren dürfte er den deutschen Pferdesport durch eine schwierige Phase steuern, zwischen Finanzfragen, Strukturreformen und gesellschaftlichen Debatten über das Pferdewohl. Dass er das mit der Nüchternheit eines erfahrenen Konzernlenkers angeht, hat er im ersten Jahr bereits gezeigt.

Seine Mülheimer Herkunft trägt er dabei als Teil einer ungewöhnlichen Geschichte mit sich, die vom Klassenzimmer bis in die Chefetage und schließlich an die Spitze eines Sportverbands reicht.

Häufige Fragen zu Martin Richenhagen

Wie alt ist Martin Richenhagen und wann wurde er geboren?

Martin Richenhagen wurde am 1. Juli 1952 in Köln geboren. Im Jahr 2026 wird er damit 74 Jahre alt.1

Wo wohnt Martin Richenhagen heute?

Er lebt weiterhin in Duluth im US-Bundesstaat Georgia, wo auch sein früherer Arbeitgeber AGCO seinen Sitz hat. Seit 2011 besitzt er die US-Staatsbürgerschaft.1

Was macht Martin Richenhagen heute beruflich?

Seit Ende 2020 ist er nicht mehr CEO von AGCO. Er ist in Aufsichts- und Beiratsfunktionen aktiv (unter anderem bei Linde, Daimler Truck und Stihl) und seit November 2024 Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), dem Dachverband des deutschen Pferdesports.4

Wofür ist Martin Richenhagen am bekanntesten?

Bekannt wurde er als langjähriger Vorstandschef des US-Landmaschinenkonzerns AGCO, den er von 2004 bis 2020 führte, und als einer der prominentesten deutschstämmigen Topmanager in den USA. Bemerkenswert ist sein Werdegang vom Religions- und Französischlehrer zum internationalen Konzernchef.2

Wie hoch ist das Vermögen von Martin Richenhagen?

Zum privaten Vermögen von Martin Richenhagen gibt es keine seriösen offiziellen Angaben.

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